Dokumentarfotograf bei der Arbeit in einer städtischen Umgebung
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Interview

Gespräch mit
Tobiasz Krempler

Tobiasz Krempler fotografiert seit über einem Jahrzehnt auf der Straße – Märkte in Warschau, Flüchtlingslager in Griechenland, Industriebrachen im Ruhrgebiet. Er lehrt bei Nunki Vorthyha und erklärt, wie er Momente findet, die andere schlicht übersehen.

Dokumentarfotografie & visuelle Reportage

Wann entsteht ein ehrliches Bild?

Ausrüstung oder Blick — was zählt mehr?

Wie geht man mit heiklen Situationen um?

Was lernen Teilnehmer als erstes?

F Wann entsteht ein ehrliches Bild?

Wenn der Fotograf aufgehört hat, ein Foto zu wollen. Das klingt paradox, aber es stimmt — sobald man zu sehr auf den Auslöser fixiert ist, bemerken die Menschen das. Sie passen ihr Verhalten an, auch wenn nur unbewusst. Ich verbringe deshalb oft 40 bis 60 Minuten an einem Ort, bevor ich überhaupt die Kamera hebe. Den ersten Blick bekommt man nie zurück, aber echte Vertrautheit braucht Zeit.

F Ausrüstung oder Blick — was zählt mehr?

Der Blick, ohne Frage. Ich habe einige der stärksten Bilder meiner Karriere mit einer kompakten Festbrennweite gemacht — 35mm, nichts Besonderes. Schwere Teleobjektive halten Distanz zur Szene, das spürt man im fertigen Bild. Was wirklich zählt: verstehen, wo Licht, Bewegung und Bedeutung zusammentreffen — und dann schnell genug dort sein. Das ist eine Denkweise, kein technisches Problem.

F Wie geht man mit heiklen Situationen um?

Transparenz ist das wichtigste Werkzeug. Ich sage Menschen offen, wer ich bin und was ich mache. Die meisten reagieren anders als befürchtet. In konfliktreichen oder verletzlichen Kontexten — ich denke an ein Projekt in einem Aufnahmelager in Lesbos 2019 — ist es oft besser, die Kamera wegzulegen und erst zuzuhören. Das Bild kommt, wenn Vertrauen da ist. Ohne das ist es nur Voyeurismus.

F Was lernen Teilnehmer als erstes?

Langsamer werden. Fast alle kommen mit dem Impuls, viel zu fotografieren und später zu sortieren. Das Gegenteil hilft mehr. Im Kurs beginnen wir damit, eine Stunde lang an einem einzigen Ort zu beobachten — ohne Kamera. Man lernt zu sehen, welche Geschichten sich wiederholen, welche Gesten wiederkehren, wo der nächste starke Moment entstehen könnte. Das ist keine Theorie. Das ist Handwerk.

Was Tobiasz in seinem Unterricht anders macht

„Ich zeige keine Erfolgsbilder. Ich zeige Kontaktbögen — alle Versuche, die misslungen sind, bevor eines funktioniert hat."

Tobiasz Krempler, Lehrbeauftragter bei Nunki Vorthyha Über Nunki Vorthyha
12+ Jahre aktive Reportagefotografie in Europa und dem Nahen Osten
6 Masterclasses verfügbar — von Straßenfotografie bis zu langfristigen Dokumentarprojekten
4 Sprachen, in denen Teilnehmer bisher Feedback eingereicht haben